Besprechung

So homs gredt. Jura2000 Mundartprojekt.

Zusammengestellt von Josef Köstler

Fünf Gemeinden gehören seit etlichen Jahren zum Verein Jura2000 – Landkultur e.V. Die angrenzenden Gemeinden Berching, Dietfurt und Breitenbrunn liegen in der Oberpfalz, Greding in Mittelfranken. Die Gemeinden gehören historisch zum alten Kulturraum des bayerischen Nordgau im Dreieck zwischen Ingolstadt, Fürth und Lauterhofen. Was die fünf Gemeinden neben ihrer gemeinsamen Geschichte überdies verbindet, ist der gemeinsame Dialekt über drei Regierungsbezirke hinweg zwischen dem nordbayerischen mit dem mittelbayerischen Sprachraum gelegen, so dass man hier tatsächlich von einer eigenen „Mundartregion“ sprechen könnte.

Es entstand die Idee, sich intensiver mit diesem Sprachraum zu beschäftigen und die sprachlichen Besonderheiten zu dokumentieren: Nicht aus wissenschaftlicher Sicht – das geschieht bereits im bayerischen Dialektatlas – sondern mit Unterstützung der örtlichen Bevölkerung sollte aus einem „Mundartfest“ des Jahre 2017 heraus ein kleines „Mundartlexikon“ entstehen. Es ging den Veranstaltern des Mundartfestes darum, für die Besonderheiten des Dialekts der Region nicht nur ein Bewusstsein zu schaffen, sondern dieses auch noch zu dokumentieren.

Mit breiter Unterstützung der örtlichen Bevölkerung entstand nun dieses, scherzhaft „Jura-Duden“ genannte Verzeichnis. Das damalige Projekt motivierte die Einwohner, sich ihres Dialekts zu besinnen und Dialektwörter, Sprichwörter und Redensarten bei den einzelnen Heimatgemeinden und dem Verein Jura 2000 zu melden. Bei Josef Köstler, dem ehemaligen Bürgermeister von Breitenbrunn, liefen die Fäden zusammen. Er nahm die Angelegenheit in die Hand und legt schließlich mit „So homs gredt“ nun fünf Jahre später das Ergebnis diese Sammeltätigkeit in einem 60seitigen Geheft mit rund 1800 Eintragungen vor. Der Titel führt etwa in die Irre, denn das gelungene Verzeichnis führt auch Begriffe und Redenarten auf, die durchaus heute noch im Gebrauch sind. Andere wiederum sind wahrscheinlich nur noch der älteren Generation bekannt.

Die Einleitung schildert die grundsätzliche Problematik, Mundart möglichst allgemeinverständlich zu schreiben, was in der Oberpfalz wegen der gestürzten Diphthonge ohne eine Schreibung mit Sonderzeichen, wie sie Sprachwissenschaftler benutzen, nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist. Doch der Versuch, bei der Mundartschreibung mit wenigen Sonderzeichen auszukommen, scheint gelungen. Köstler gibt dazu den Nutzern des kleinen Lexikons ein ausführliches, sehr hilfreiches „Dialekt-Alphabet“ an die Hand. Diese kleine Grammatik des „Jura-Baierischen“ ist in ihrer Darstellung jeweils mit zahlreichen Beispielen anschaulich erläutert.

Mit Beispielen werden zudem, neben der hochdeutschen Erklärung, häufig auch noch die einzelnen Mundartbegriffe belegt. Das spannende bei der Ordnung der Mundartworte ist die Tatsache, dass sie nicht einfach in ein einheitliches Alphabet eingereiht sind, sondern versucht wurde, die Wörter thematisch jeweils in einen Themenkreis zu sortieren: Familie und ihr Umkreis, Ernährung, Haus und Hof, Wald und Flur, Wirtschaft, Natur, dörfliche Gesellschaft. Ein Kapitel mit alten Weisheiten und sprichwörtlichen Redensarten fehlt ebenso wenig wie alte Taufnamen und die Beschreibung verwandtschaftlicher Beziehungen.

Den Themen „Arbeit und Ruhe“, „Freud und Leid“, „Reichtum und Armut“ sowie „Leben und Tod“ sowie „Viechereien und Hofgeschichten“ sind weitere Kapitel gewidmet. Ein Kapitel über Zahlen und Mengenangaben und Beispiele sprachlicher und grammatikalischer Besonderheiten der Region schließen den Band ab.

Die Lektüre des Bandes bewegt den „Eingeborenen“, sich seines Dialekts bewusst zu werden, seine Feinheiten zu erkennen und auch Begriffe, die in der Gefahr stehen, vergessen zu werden, vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Absicht des Wörterbuchs, den heimischen Dialekt wieder mehr zu schätzen, ihn aktiv zu sprechen und bewusst zu erleben ist gelungen und mancher fast vergessene Begriff kam dem Rezensenten (* 1954 nahe der Jura-Gemeinden) wieder in den Sinn. Nur einige wenige nur waren ihm völlig unbekannt.

Die Ergebnisse des Jura2000 Mundartprojekts werden nicht nur die aktuellen Bewohner zwischen Altmühl, Sulz und Laber mit Gewinn zur Hand nehmen, sondern an dieser kleinen Sprach-Kulturgeschichte des Oberpfälzer Jura werden sowohl angrenzende baierische „Sprachnachbarn“ beim Vergleich mit ihrem eigenen Dialekt ihre Freude haben („So sog`n mir aa“), genauso wie die „Reigschmeggt`n“ und die Feriengäste.

Für die einst aus der Region Abgewanderten bildet das Büchlein ein Stück Heimat. Sie werden wohl die meiste Freude daran haben, darin zu blättern. Denn in fast jedem der aufgelisteten Wörter, Begriffe und Redenarten steckt ein Stück Erinnerung an die Kindheit und den Dialekt von Eltern und Großeltern, denn: „so homs gredt“

So homs gredt. Jura2000 Mundartprojekt: Beilngries, Berching, Breitenbrunn, Dietfurt, Greding. Zusammengestellt von Josef Köstler, herausgegeben von Jura2000 Landkultur e.V. 60 S.: Ill. Preis: € 10.-

Bezug direkt über Jura2000 Landkultur e.V. und über die Touristikbüros der fünf Jura2000-Mitgliedsgemeinden Beilngries, Berching, Breitenbrunn, Dietfurt und Greding.

Alfred Wolfsteiner  

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