Zeitzeugengespräch im Staatsarchiv Amberg
Am Dienstag, 28. Oktober 2025 um 17 Uhr erinnert das Staatsarchiv Amberg mit einem Zeitzeugengespräch an die Proteste gegen die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) Wackersdorf.

„WAA NEIN!“ In den 1980er Jahren sah man diesen Slogan überall in der Oberpfalz: Auf Flugblättern, Pla-katen, Buttons oder als Graffiti an Hauswänden brachte er kurz und prägnant den Widerstand in der Bevölkerung gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) zum Ausdruck, die damals in der Nähe von Wackersdorf entstehen sollte. Staatsregierung und Betreibergesellschaft hatten bei der Standortwahl auf die Akzeptanz seitens einer konservativen und industriegewohnten Bevölkerung gesetzt, die nach dem Ende des Braunkohleabbaus auf neue Arbeitsplätze hoffte. Der heftige Protest kam überraschend. Schon bald formierten sich Bürgerinitiativen, mit denen sich kirchliche Gruppen, Umweltschutzorganisationen und Atomkraftgegner aus ganz Deutschland und Österreich solidarisierten. Nach jahrelangen Protestaktionen und Demonstrationen am Bauzaun, die zunächst friedlich verliefen, 1986 und 1987 jedoch eskalierten, wurden die Bauarbeiten 1989 eingestellt.
Was bleibt? Die Geschichte der WAA ist im Staatsarchiv Amberg durch eine umfangreiche schriftliche Überlieferung dokumentiert. Sie stammt von Behörden, die mit der Planung, dem Bau und den Auseinandersetzungen um das Projekt befasst waren, allen voran Landratsamt Schwandorf, Polizei und Staatsanwaltschaft, aber auch von Bürgerinitiativen und Einzelpersonen. Unter den privaten Unterlagen besitzen die Vereinsunterlagen und das Sammlungsgut der Bürgerinitiative Schwandorf gegen Atomanlagen e.V., die nach der Auflösung der Initiative an das Staatsarchiv abgegeben wurden, hinsichtlich Umfang und inhaltlicher Aussagekraft zweifellos besondere Bedeutung. Nach wiederholten Nachlieferungen ist die Übernahme nun abgeschlossen.
Archivoberrat Dr. Till Strobel gibt einleitend einen Überblick über die im Staatsarchiv Amberg vorhandeneWAA-Überlieferung amtlicher und privater Provenienz. Diese Bestände sind bisher kaum wissenschaftlich erforscht oder ausgewertet. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen liegt dabei auf dem Bestand der Bür-gerinitiative Schwandorf.
Im Zeitzeugengespräch berichten anschließend Alt-Landrat Hans Schuierer, Symbolfigur des friedlichen politischen Widerstands gegen die WAA, sowie Wolfgang Nowak und Alfred Wolfsteiner als ehemalige Vorstandsmitglieder der BI Schwandorf über ihre Erlebnisse. Sie gehen dabei auch der Frage nach: Waskönnen wir aus den Ereignissen in Bezug auf unsere Demokratie und Rechtsordnung lernen?