80 Jahre danach – Das erste Nachkriegsweihnachten 1945

Beitrag des Autors Alfred Wolfsteiner zur Sendung bei OTV vom Di., 30.12.2025, 18:30 Uhr

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Deutschland ist vielerorts zerstört. Viele Männer sind gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft. Dafür leben viele Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten in den Häusern bei den Einheimischen. Die Nahrungsmittel sind knapp. Geld ist nichts wert. Und in dieser Gemengenlage steht Weihnachten vor der Tür. Weihnachten 1945, das erste Nachkriegs-Weihnachten.

https://www.otv.de/mediathek/video/80-jahre-danach-teil10-nachkriegsweihnachten-1945

Hinweis: Die Sendung ist nur zeitlich begrenzt in der Mediathek.

Was bleibt von der WAA Wackersdorf?“

Zeitzeugengespräch im Staatsarchiv Amberg

Am Dienstag, 28. Oktober 2025 um 17 Uhr erinnert das Staatsarchiv Amberg mit einem Zeitzeugengespräch an die Proteste gegen die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) Wackersdorf.

My beautiful picture

„WAA NEIN!“ In den 1980er Jahren sah man diesen Slogan überall in der Oberpfalz: Auf Flugblättern, Pla-katen, Buttons oder als Graffiti an Hauswänden brachte er kurz und prägnant den Widerstand in der Bevölkerung gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) zum Ausdruck, die damals in der Nähe von Wackersdorf entstehen sollte. Staatsregierung und Betreibergesellschaft hatten bei der Standortwahl auf die Akzeptanz seitens einer konservativen und industriegewohnten Bevölkerung gesetzt, die nach dem Ende des Braunkohleabbaus auf neue Arbeitsplätze hoffte. Der heftige Protest kam überraschend. Schon bald formierten sich Bürgerinitiativen, mit denen sich kirchliche Gruppen, Umweltschutzorganisationen und Atomkraftgegner aus ganz Deutschland und Österreich solidarisierten. Nach jahrelangen Protestaktionen und Demonstrationen am Bauzaun, die zunächst friedlich verliefen, 1986 und 1987 jedoch eskalierten, wurden die Bauarbeiten 1989 eingestellt.

Was bleibt? Die Geschichte der WAA ist im Staatsarchiv Amberg durch eine umfangreiche schriftliche Überlieferung dokumentiert. Sie stammt von Behörden, die mit der Planung, dem Bau und den Auseinandersetzungen um das Projekt befasst waren, allen voran Landratsamt Schwandorf, Polizei und Staatsanwaltschaft, aber auch von Bürgerinitiativen und Einzelpersonen. Unter den privaten Unterlagen besitzen die Vereinsunterlagen und das Sammlungsgut der Bürgerinitiative Schwandorf gegen Atomanlagen e.V., die nach der Auflösung der Initiative an das Staatsarchiv abgegeben wurden, hinsichtlich Umfang und inhaltlicher Aussagekraft zweifellos besondere Bedeutung. Nach wiederholten Nachlieferungen ist die Übernahme nun abgeschlossen.

Archivoberrat Dr. Till Strobel gibt einleitend einen Überblick über die im Staatsarchiv Amberg vorhandeneWAA-Überlieferung amtlicher und privater Provenienz. Diese Bestände sind bisher kaum wissenschaftlich erforscht oder ausgewertet. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen liegt dabei auf dem Bestand der Bür-gerinitiative Schwandorf.

Im Zeitzeugengespräch berichten anschließend Alt-Landrat Hans Schuierer, Symbolfigur des friedlichen politischen Widerstands gegen die WAA, sowie Wolfgang Nowak und Alfred Wolfsteiner als ehemalige Vorstandsmitglieder der BI Schwandorf über ihre Erlebnisse. Sie gehen dabei auch der Frage nach: Waskönnen wir aus den Ereignissen in Bezug auf unsere Demokratie und Rechtsordnung lernen?

Alfred Wolfsteiner zum Ehrenmitglied des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg ernannt.

Bei der Generalversammlung des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg erhielt im April 2025 Alfred Wolfsteiner als langjähriger Leiter der Regionalgruppe Schwandorf im HV die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Wie Dr. Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger und 2. Vorsitzender des Vereins, in seiner Laudatio formulierte, habe Wolfsteiner im Jahre 1990 die in den 50er Jahren gegründete und zwischenzeitlich „eingeschlafene“ Regionalgruppe Schwandorf wieder belebt und in der Folgezeit zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Nach 35 Jahren habe er im Frühjahr 2025 die Leitung an Carolin Schmuck abgegeben.

Wolfsteiner habe neben der Organisation von Veranstaltungen die Heimatgeschichte im Landkreis Schwandorf mit zahlreichen selbständigen und selbständigen Publikationen bereichert, entweder als Autor, Co-Autor oder als Initiator und Herausgeber. So sei er seit Jahren regelmäßiger Autor in heimatkundlichen Periodikas wie der „Oberpfalz“, dem „Oberpfälzer Heimatspiegel“ und den „Beiträgen zur Geschichte und Kultur im Landkreis Schwandorf“ mit Aufsätzen vertreten. Biographien von Persönlichkeiten wie Johann Nepomuk von Ringseis, „Bauerndoktor“ Georg Heim und dem Widerstandskämpfer P. Augustin Rösch SJ entstammten seiner Feder. Ebenso habe er die Stadtgeschichte Schwandorfs mit etlichen Publikationen bereichert. 

Neben einigen Nachdrucken, zwei Bänden mit Luftbildaufnahmen und einem Bild-Text-Band zur 1000jährigen urkundlichen Erstnennung der Stadt (2006) entstand auf seine Anregung hin die fast 1000seitige, zweibändige Chronik „Schwandorf in Geschichte und Gegenwart“ von 2001. Zuletzt legte er zudem 2023 eine „Kleine Stadtgeschichte“ Schwandorfs vor. Der Oberpfälzer Kulturbund habe ihm daher für seine umfangreiche publizistische Tätigkeit mit Bezug zur Oberpfalz im Jahr 2024 den „Nordgaupreis für Literatur“ verliehen.

Besonders hob Dr. Appl Wolfsteiners Initiative zur Gründung des Arbeitskreises „Andiamo“ im HV hervor, der sich seit 2011 auf der Basis der Vorarbeiten von Anton Dollacker und Dr. Dietrich Manske die weitere Erforschung der Altstraßen in der Oberpfalz zum Ziel gesetzt habe. Inzwischen könne der Arbeitskreis schon beachtliche neue Erkenntnisse vorweisen, die zuletzt in der umfangreichen Darstellung „Auf alten Wegen durch die Oberpfalz – Zur Geschichte der Kommunikation und Mobilität in der Mitte Europas“ (Pustet 2022) ihren Niederschlag gefunden haben. Weitere spannende Ergebnisse seien in diese Richtung auch künftig zu erwarten.

Alfred Wolfsteiner bedankte sich abschließend für die Laudatio durch Dr. Appl und erwähnte die große Ehre, die ihm die Ehrenmitgliedschaft beim Historischen Verein bedeute, besonders wenn man bedenke, wem in der Vergangenheit schon alles diese Ehre zuteilgeworden sei. 

Seit seiner Zeit in der Volksschule gehöre die Heimatgeschichte zu seinen besonderen Interessensgebieten und die Vermittlung der Geschichte „seiner“ Oberpfalz und ihrer Bewohner in Wort und Schrift sei ihm von jeher ein großes Anliegen gewesen. Er freue sich nach 35 Jahren die Leitung der Regionalgruppe Schwandorf nahtlos in die kompetenten Hände von Carolin Schmuck MA übergeben zu können.

Heimatfest Schwarzhofen 2025

Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner beim Heimatfest 2025 gefordert

Eigentlich findet das Heimatfest in Schwarzhofen jeweils im Abstand von 10 Jahren statt. Verbunden mit den runden Jubiläen der Freiwilligen Feuerwehr und des Sportvereins konnte dieses Traditionsfest wegen der Corona-Pandemie nun zwischen dem 14. und 17. August 2025 mit fünfjähriger Verspätung gefeiert werden.

Neben den abendlichen Bierzelt-Events mit Party-Bands auf der Region, einem Festgottesdienst und einem Festzug durch den Ort am Sonntag, wurde versucht das Heimatfest in Schwarzhofen auch durch kulturelle Veranstaltungen zu bereichern.

Ausstellung mit Luftbildern von 1957

Hierzu war in diesem Jahr Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner besonders gefordert. Die auf seine Anregung beschafften Luftbilder der im Jahre 1957 entstandenen Aufnahmen des Luftbildverlages Bertram aus Memmingen wurden erstmals zum Heimatfest einer größeren Öffentlichkeit gezeigt. Die Ausstellung mit den rund 25 großformatigen Ortsansichten im Kindergarten fand großen Anklang, da sich der Ort seit dieser Zeit massiv verändert hat und es bei längerer Betrachtung der Bilder immer wieder Neues zu entdecken gab. Manche Besucher kamen sogar mehrfach.

Lebendige Ortsgeschichte über acht Jahrhunderte

Auf Anregung des Festausschusses hatte Alfred Wolfsteiner zudem eine „Lebendige Ortsgeschichte“ geschrieben. Der Theaterverein setzte mit rund 40 Mitwirkenden die sechs Szenen um, die Julia Grund und Melanie Heinrich als Regisseurinnen inszenierten.

Über einen Zeitraum von rund 800 Jahren erstreckte sich der historische Bilderbogen: Von der Gründung des Dominikanerinnenklosters im Jahre 1237 über die Hussitenschlacht bei Hiltersried von 1433 bis herauf zum Einmarsch der Amerikaner April 1945 reichte der bespielte Zeitraum. Auch prominente Schwarzhofener Persönlichkeiten wie der Humanist Paul Zeidler (1548 – 1627) oder Johann Nepomuk von Ringseis (1785 – 1880) traten auf.

Großes Interesse bei 250 Zuschauern

Schließlich wurden die Fragen geklärt, wie Schwarzhofen die Auflösung des Klosters in der Säkularisation durch einen Viehmarkt zu kompensieren versuchte, warum hinter der Pfarrkirche eine zusätzliche Klosterkirche angebaut wurde oder wie der in Silber gefasste Rokoko-Altar aus der Wallfahrtskirche vom Bogenberg in Niederbayern im 19. Jahrhundert nach Schwarzhofen kam.

Die sechs historischen Szenen wurden im Umgriff von Rathaus, Pfarrkirche und dem ehemaligen Kloster der Dominikanerinnen in Szene gesetzt und vom Autor moderiert. Sogar das Innere der Pfarrkirche bildete dazu eine Kulisse. In einer langen Prozession begleiteten rund 250 Zuschauer den Rundgang durch die Geschichte Schwarzhofens. Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner und Bürgermeister Maximilian Beer bedankten sich abschließend bei den Zuschauern für ihre große Aufmerksamkeit und bei den Theaterfreunden für die große Spielfreude und die engagierte Umsetzung des historischen Bilderbogens. In lebendiger Form konnten dabei viele bisher unbekannte Details zur Ortsgeschichte vom Schwarzhofen vermittelt werden. 

AW

Fotos: Josef Merkl

MZ vom 18.08.2025

Besprechung

So homs gredt. Jura2000 Mundartprojekt.

Zusammengestellt von Josef Köstler

Fünf Gemeinden gehören seit etlichen Jahren zum Verein Jura2000 – Landkultur e.V. Die angrenzenden Gemeinden Berching, Dietfurt und Breitenbrunn liegen in der Oberpfalz, Greding in Mittelfranken. Die Gemeinden gehören historisch zum alten Kulturraum des bayerischen Nordgau im Dreieck zwischen Ingolstadt, Fürth und Lauterhofen. Was die fünf Gemeinden neben ihrer gemeinsamen Geschichte überdies verbindet, ist der gemeinsame Dialekt über drei Regierungsbezirke hinweg zwischen dem nordbayerischen mit dem mittelbayerischen Sprachraum gelegen, so dass man hier tatsächlich von einer eigenen „Mundartregion“ sprechen könnte.

Es entstand die Idee, sich intensiver mit diesem Sprachraum zu beschäftigen und die sprachlichen Besonderheiten zu dokumentieren: Nicht aus wissenschaftlicher Sicht – das geschieht bereits im bayerischen Dialektatlas – sondern mit Unterstützung der örtlichen Bevölkerung sollte aus einem „Mundartfest“ des Jahre 2017 heraus ein kleines „Mundartlexikon“ entstehen. Es ging den Veranstaltern des Mundartfestes darum, für die Besonderheiten des Dialekts der Region nicht nur ein Bewusstsein zu schaffen, sondern dieses auch noch zu dokumentieren.

Mit breiter Unterstützung der örtlichen Bevölkerung entstand nun dieses, scherzhaft „Jura-Duden“ genannte Verzeichnis. Das damalige Projekt motivierte die Einwohner, sich ihres Dialekts zu besinnen und Dialektwörter, Sprichwörter und Redensarten bei den einzelnen Heimatgemeinden und dem Verein Jura 2000 zu melden. Bei Josef Köstler, dem ehemaligen Bürgermeister von Breitenbrunn, liefen die Fäden zusammen. Er nahm die Angelegenheit in die Hand und legt schließlich mit „So homs gredt“ nun fünf Jahre später das Ergebnis diese Sammeltätigkeit in einem 60seitigen Geheft mit rund 1800 Eintragungen vor. Der Titel führt etwa in die Irre, denn das gelungene Verzeichnis führt auch Begriffe und Redenarten auf, die durchaus heute noch im Gebrauch sind. Andere wiederum sind wahrscheinlich nur noch der älteren Generation bekannt.

Die Einleitung schildert die grundsätzliche Problematik, Mundart möglichst allgemeinverständlich zu schreiben, was in der Oberpfalz wegen der gestürzten Diphthonge ohne eine Schreibung mit Sonderzeichen, wie sie Sprachwissenschaftler benutzen, nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist. Doch der Versuch, bei der Mundartschreibung mit wenigen Sonderzeichen auszukommen, scheint gelungen. Köstler gibt dazu den Nutzern des kleinen Lexikons ein ausführliches, sehr hilfreiches „Dialekt-Alphabet“ an die Hand. Diese kleine Grammatik des „Jura-Baierischen“ ist in ihrer Darstellung jeweils mit zahlreichen Beispielen anschaulich erläutert.

Mit Beispielen werden zudem, neben der hochdeutschen Erklärung, häufig auch noch die einzelnen Mundartbegriffe belegt. Das spannende bei der Ordnung der Mundartworte ist die Tatsache, dass sie nicht einfach in ein einheitliches Alphabet eingereiht sind, sondern versucht wurde, die Wörter thematisch jeweils in einen Themenkreis zu sortieren: Familie und ihr Umkreis, Ernährung, Haus und Hof, Wald und Flur, Wirtschaft, Natur, dörfliche Gesellschaft. Ein Kapitel mit alten Weisheiten und sprichwörtlichen Redensarten fehlt ebenso wenig wie alte Taufnamen und die Beschreibung verwandtschaftlicher Beziehungen.

Den Themen „Arbeit und Ruhe“, „Freud und Leid“, „Reichtum und Armut“ sowie „Leben und Tod“ sowie „Viechereien und Hofgeschichten“ sind weitere Kapitel gewidmet. Ein Kapitel über Zahlen und Mengenangaben und Beispiele sprachlicher und grammatikalischer Besonderheiten der Region schließen den Band ab.

Die Lektüre des Bandes bewegt den „Eingeborenen“, sich seines Dialekts bewusst zu werden, seine Feinheiten zu erkennen und auch Begriffe, die in der Gefahr stehen, vergessen zu werden, vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Absicht des Wörterbuchs, den heimischen Dialekt wieder mehr zu schätzen, ihn aktiv zu sprechen und bewusst zu erleben ist gelungen und mancher fast vergessene Begriff kam dem Rezensenten (* 1954 nahe der Jura-Gemeinden) wieder in den Sinn. Nur einige wenige nur waren ihm völlig unbekannt.

Die Ergebnisse des Jura2000 Mundartprojekts werden nicht nur die aktuellen Bewohner zwischen Altmühl, Sulz und Laber mit Gewinn zur Hand nehmen, sondern an dieser kleinen Sprach-Kulturgeschichte des Oberpfälzer Jura werden sowohl angrenzende baierische „Sprachnachbarn“ beim Vergleich mit ihrem eigenen Dialekt ihre Freude haben („So sog`n mir aa“), genauso wie die „Reigschmeggt`n“ und die Feriengäste.

Für die einst aus der Region Abgewanderten bildet das Büchlein ein Stück Heimat. Sie werden wohl die meiste Freude daran haben, darin zu blättern. Denn in fast jedem der aufgelisteten Wörter, Begriffe und Redenarten steckt ein Stück Erinnerung an die Kindheit und den Dialekt von Eltern und Großeltern, denn: „so homs gredt“

So homs gredt. Jura2000 Mundartprojekt: Beilngries, Berching, Breitenbrunn, Dietfurt, Greding. Zusammengestellt von Josef Köstler, herausgegeben von Jura2000 Landkultur e.V. 60 S.: Ill. Preis: € 10.-

Bezug direkt über Jura2000 Landkultur e.V. und über die Touristikbüros der fünf Jura2000-Mitgliedsgemeinden Beilngries, Berching, Breitenbrunn, Dietfurt und Greding.

Alfred Wolfsteiner